Wie Ihre Stimme Ihren Auftritt beeinflusst

In der Präsentation hört und interpretiert das Publikum jedes gesprochene Wort des Redners. Es nimmt darüber hinaus jede Geste, jeden Blick, jede Veränderung in der Körperhaltung und jede Modulation im Klang der Stimme und der Betonung in den Sätzen als Botschaften wahr. Dabei kann es geschehen, dass der Körper unbewusst etwas anderes ausdrückt als der Text des Vortrags. Exzellent wird eine Präsentation dann, wenn der Gesamtausdruck stimmig ist, d.h. wenn der Ausdruck von Sprache, Stimme und Körpersprache dasselbe sagen wie der Text.

Heute hören wir einmal auf die Stimme.  

Das gesprochene Wort strukturiert die Themen, gibt Ihrem Publikum die Chance, Zusammenhänge gut zu verstehen und Ihnen in aller Komplexität folgen zu können. Und selbst das trockenste Thema kann durch eine lebendige Stimme, durch Klangfarbe, Stimmlage, Vortragstempo und durch gut platzierte Pausen spannend werden.

Schallwellen

Probieren Sie doch einfach einmal ein paar Sachen aus. Zuhause, vor dem Spiegel oder heimlich im Bad. Sie glauben gar nicht, wie spannend die damit einhergehenden Erfahrungen und Erkenntnisse sein können. 

Artikulation

Üben Sie Ihre Aussprache, lesen Sie etwas aus einem Buch oder einer Zeitung, indem Sie betont langsam und deutlich sprechen. Denken Sie dabei daran, dass Ihr Publikum die Informationen, die Sie geben, das allererste Mal hört. Zum Spaß nehmen Sie einmal einen Weinkorken zwischen die Zähne und sprechen Sie uns nach: Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid. Oder auch: Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben, zwei Schwalben zwitschern zwischen zwei Zwetschgenzweigen. Und zwar so laut Sie können. Demosthenes wurde so (bzw. mit Kieselsteinen im Mund, die hat man ja aber nur so selten zur Hand) zu einem der berühmtesten Sprecher seiner Zeit. Vorher nuschelte er undeutlich und leise vor sich hin. Worauf es ankommt, ist die Deutlichkeit von Vokalen herauszuarbeiten und darauf zu achten, Konsonanten nicht zu verschlucken. Beobachten Sie sich selbst dabei, was welcher Vokal mit Ihren Gesichtsmuskeln und Ihrer Mundform macht. Erspüren Sie den Unterschied zwischen einem runden O und einem U oder dem „au“ in Blaukraut. Und seien Sie überdeutlich. Weil die Abfolge von Konsonanten und Vokalen dann sehr bewusst wird.

Stimmvolumen

Ihr Stimmvolumen vermittelt Energie und Kraft. Und damit ist nicht gemeint, dass Sie laut durch den Raum brüllen. Probieren Sie einmal folgendes aus: Stellen Sie sich aufrecht hin. Fühlen Sie ihre Füße, wie sie den Boden berühren. Verankern Sie sich, stellen Sie sich vor, Sie sind ein Baum, der seine Wurzeln in der Erde hat. So geben Sie sich einen sicheren Stand. Nun erspüren Sie Ihren Atem. Legen Sie dazu eine Hand auf Ihre Brust und eine Hand auf Ihren Unterleib. Fühlen Sie einmal wohin Sie atmen… und dann üben Sie, ganz bewusst in Ihren Unterleib zu atmen, so dass sich nicht die Brust und Ihre Schultern beim Atmen heben, sondern – für den Moment wenig attraktiv aber gesund – Ihr Bauch kommt beim Einatmen nach vorne und geht beim Ausatmen wieder nach innen. Stimme und Stimmvolumen entsteht in einer Kombination vieler Körperwerkzeuge. Dazu gehört auch das Zwerchfell, Ihre Stimmbänder, die Öffnung Ihres Mundes und Ihres Halses, Ihre Atmung… Wussten Sie, dass eine gute Bauchatmung auch Einfluss hat auf Ihr vegetatives Nervensystem? Es macht Sie ruhiger. Wenn Sie ruhiger werden, wird Ihre Stimme etwas tiefer. Brustatmung bzw. flache Atmung und Nervosität lässt Ihre Stimme höher werden. Und jetzt kommt´s: je höher Ihre Stimme, desto weniger glaubt Ihr Publikum an Ihre Kompetenz. Das nächste Mal, wenn Sie selbst im Publikum sind, schließen Sie Ihre Augen und konzentrieren Sie sich einmal nur auf die Stimme des Vortragenden, auf seine Modulation, seine Atmung. Das können Sie auch gerne einmal am Telefon ausprobieren. Sie werden sehr erstaunt sein, was Sie alles hören.
 

Baum

Stimmlage

Jeder Mensch hat eine sogenannte Indifferenzlage… das ist die Stimmfärbung und -höhe, die natürlich ist, in der man sich wohlfühlt und in der die Stimmbänder entspannt sind. Die meisten von uns verlieren den Kontakt dazu. Weil sie in die Flachatmung fallen, hektisch oder nervös sind, weil sie vielleicht Härte vermitteln wollen oder dynamische Management-Eigenschaften… Aber, genau in dieser Indifferenzlage wirken Sie authentisch und kompetent. Versuchen Sie einmal folgendes: Stellen Sie sich hin in verwurzelter Baumposition (wir sprachen im letzten Absatz darüber). Atmen Sie tief in Ihren Bauch. Kommen Sie zur Ruhe. Und jetzt beginnen Sie einmal in sich hinein zu summen. Von ganz hoch bis ganz tief. Und fühlen, wo Sie sich am wohlsten fühlen. Das kann ein paar Mal nötig sein, weil wir es nicht mehr gewohnt sind. Aber eigentlich ist es ganz einfach. Wie wenn man ein „mmmmh…“ macht, wenn einem etwas gut schmeckt. Und dann sprechen Sie in genau dieser Lage irgendeinen ganz einfachen Satz. Wenn Sie das ein paar Mal gemacht haben, dann können Sie in der Regel fühlen, dass das Sprechen völlig ohne Anstrengung passiert.

Natürlich schnuppern wir mit diesen kleinen Tipps nur kurz in das Thema herein. Das Wichtige ist vielleicht einfach nur, mit sich selbst wieder in Kontakt zu kommen und so bewusster mit der eigenen Stimme umzugehen bzw. auch durch die Beobachtung anderer, Stimme als Instrument bewusster wahrzunehmen. Denn wer tut das schon im Alltag?

Atmung und Stimme sind Aspekte, denen wir uns in unserem Auftrittstraining intensiv nähern. Wenn Sie Lust darauf bekommen haben, klicken Sie hier.